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Elia hat sich in die Wüste zurückgezogen.

Er wird von Gott immer wieder zu seinem Volk Israel geschickt, weil es seinen Herrn vergessen hat. Stattdessen laufen Ahab, der König von Israel, und seine Frau Isebel neuen Göttern nach.

Sie wollen Elia umbringen lassen. Irgendwann kann er nicht mehr. Er zieht sich völlig verzweifelt in die Wüste zurück, um dort zu sterben. Doch Gott hat noch etwas mit ihm vor.

Die Geschichte lässt mich an ein Gedicht des Amerikaners Robert Frost denken. Es heißt übersetzt „Meilen Wegs noch bis zum Schlaf“. Die letzte Strophe lautet:

„Anheimelnd, dunkel, tief die Wälder, die ich traf.
Doch noch nicht eingelöst, was ich versprach.
Und Meilen, Meilen noch vorm Schlaf.
Und Meilen Wegs noch bis zum Schlaf.“

Robert Frost erzählte einmal, wie er die Idee zu diesem Gedicht bekam. In der Zeit der großen Wirtschaftskrise in den 30iger Jahren konnte er sich und seine Familie kaum über Wasser halten. Er bot Äpfel auf dem Markt an. Eines Abends kam er zurück, ohne etwas verkauft zu haben. Weihnachten stand vor der Tür und er hatte nicht einmal ein Geschenk für seine Kinder. Voller Verzweiflung blieb er mit seinem Schlitten einfach am Waldrand stehen. Doch dann gab er sich einen Ruck. Er hat später seine Erfahrung mit den Worten festgehalten: Es geht weiter.

Wir wissen noch nicht, was die kommende Zeit bringen wird, welche wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen auf uns warten. Viele haben Wochen hinter sich, die von nervlicher und womöglich auch finanzieller Anspannung geprägt waren. Der Sommer ist für die meisten die Zeit, um in den Urlaub zu fahren und sich und den eigenen Kindern etwas zu bieten. Viele werden diese Pläne ändern müssen. Das schmerzt. Auf der anderen Seite sind wir in diesem Land Wege gegangen, dass viele gesund geblieben sind. Die Menschen haben sich gegenseitig gestärkt mit guten Worten, Gebeten und Nachbarschaftshilfe. Das gibt Kraft. Ich wünsche Ihnen, dass Gott Ihnen genau das gibt, was Sie für die kommende Zeit brauchen.

Auch für unsere Kirche ist das Bild vom Halt in der Wüste oder am Waldrand nicht schlecht. Wir haben uns in der letzten Zeit sehr mit uns selbst beschäftigt: mit der Strukturkrise und den Streitereien in der Landeskirche. Von einigen Gemeindegliedern weiß ich, dass Sie sich fragen, wie es in den kommenden Jahren weitergehen wird mit dem wandernden Gottesvolk. Doch Gott ist mit seiner Kirche noch lange nicht am Ende. Er erwartet noch etwas von uns. Darum wird er uns auch die nötige Wegzehrung mitgeben. Es geht weiter.

Eine behütete Zeit wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Hecker

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