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„Es ist fürchterlich“, sagt die Angst. Und es gibt vieles Fürchterliche, das uns Angst macht: Reales und Irreales.

|   Andacht

Vor allem der Tod macht uns Menschen Angst, schlimme Krankheiten, aber auch drohendes Scheitern und Versagen.

Wir haben Angst vor Dingen, die wir nicht erklären können, Übersinnliches und Unbekanntes. Menschen haben Angst im Dunkel oder anderen Situationen, in denen ihnen die Orientierung fehlt.

Kein Wunder also, dass die Hirten Angst hatten, als plötzlich ein grelles Licht sie blendete. Eigentlich war es eine Nacht wie jede andere auf den Feldern rund um Bethlehem. Es war dunkel, zu hören waren nur die immer unheimlichen Geräusche der nahen Wüste. Vielleicht erzählten sich die Hirten die eine oder andere Schauergeschichte – geschehen oder ausgedacht, auf jeden Fall zum Fürchten.

Und dann ist da auf einmal mitten in der tiefsten Nacht dieses unerklärlich helle Licht. Mitten in der leisesten Stille ein Singen und Klingen. Mitten im Allnächtlichen ein völlig unbekanntes, nie erfahrenes Erlebnis.
„Fürchtet euch nicht“, sagt der Engel, der am hellsten leuchtet, der größte unter den Engel, der Verkündigungsengel. „Fürchtet euch nicht“ – das ist leichter gesagt als getan.

Es ist nicht das erste Mal, dass jemand diesen existentiellen Satz in einer furchteinflößenden Situation zu hören bekommt. Und auch nicht das letzte Mal. Der Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Gemeinde in Rom: „Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges, noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist“ (Röm 8,31ff.).

Wovor fürchten wir uns also? Jemand wollte einmal herausgefunden haben, dass „Fürchte dich nicht“ in der Bibel genau 365 Mal vorkommt. Das wäre ein schöner Zufall: Ein „Fürchtet euch nicht“ für jeden Tag im Jahr (und was 365 Mal gilt, gilt auch am 366. Tag!). Die Angst ist eine der fünf Grundemotionen des Menschen. Wir werden sie nie ganz loswerden können. Dafür gibt es auch zu viel Bedrohliches und Angstmachendes in unserer Welt.

Aber manchmal wünsche ich uns, dass wir uns das „Fürchtet euch nicht“ der Engel auf den Feldern von Bethlehem wieder mehr zu Herzen nehmen. Dass wir jeden Morgen der 365 oder 366 Tage im Jahr mit neuem Gottvertrauen aufstehen und uns sagen: NICHTS kann mich scheiden von der Liebe Gottes.

Ich wünsche uns, dass wir nach einem ersten Schreck in den Lobgesang der Engel mit einstimmen und ein Hoch auf unseren Glauben singen, der uns immer wieder zeigt: Wir sehen ein Licht wie tief das Dunkel auch sein mag. Jesus ist geboren!

Ich wünsche Ihnen allen ein besinnliches, fröhliches, lichterfülltes Weihnachtsfest und ein gesegnetes neues Jahr mit vielen erhellenden Glaubenserlebnissen.

Ihre Pfarrerin Friederike Hecker

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