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Hörst Du nicht die Glocken?

Erstellt von Pfarrer Stephan Rehm | |   Andacht

"Bruder Jakob, schläfst du noch, hörst du nicht die Glocken?" – und dann werden die Glocken in dem bekannten Kanon mit der menschlichen Stimme nachempfunden: Ding, dang, dong. So wie dieses Lied gehört das Läuten der Kirchenglocken bei uns zum Kulturgut: Nicht zuallererst als Zeitangabe (wenn denn der Stundenschlag an Ihrem Ort üblich ist), nein, sondern als Ruf.

Wer ruft dabei wen und wozu? Christen sind der Ansicht, dass Gott
höchstpersönlich allen Menschen zuruft und auf Antwort hofft. Im engeren Sinn
laden die Glocken zunächst alle Gläubigen ein, sich im örtlichen Gottesdienst zu
versammeln. Den allgemeineren Sinn finde ich aber spannender: Gott macht sich
vielfältig bemerkbar. Jeder Atemzug erinnert mich daran, mein Leben ist ein
Geschenk von ihm; die Mahlzeit auf dem Tisch erinnert an seine Fürsorge;
zudem erkenne ich in manchen Worten von Mitmenschen vergangener und
gegenwärtiger Zeiten Rufe Gottes – wie für mich gesagt oder geschrieben.
Meinen Sie nicht?

Vielleicht gehören Sie zu den Menschen, die sich damit schwer tun, an Gott wie
an eine Person zu glauben. Dabei empfinde ich es als ein Zugeständnis, dass
Gott so zu uns Menschen Kontakt aufnimmt, dass wir es auch wahrnehmen
können: Durch menschliche Worte, durch hörbare Klänge wie bei den Glocken.
Ich rechne damit, dass Gott auch ganz anders könnte, er aber bahnt sich immer
wieder einen Weg zu meiner Wahrnehmung. Von mir aus hätte ich es in
umgekehrter Richtung sehr viel schwerer.

Deswegen freue ich mich, wie beim gewesenen Eibauer Bierzug 2019 und beim
geplanten Eibau-Walddorfer Gemeindefest zum 100jährigen Glockenweihe-
Jubiläum am 15. September 2019 in Walddorf auf die Glocken hinweisen zu
können: „Hörst Du nicht, wie Gott uns ruft?“ Ich bin mir sicher: Er ruft aus
Sehnsucht und aus Liebe. Und ich wünsche allen, dass sie diese Stimme
persönlich wahrnehmen und um eine sehr grundsätzliche Beziehung bereichert
werden, wie es vielleicht schon der Fall ist oder noch wird.

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