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Aktuelles zur Lage in unseren Kirchgemeinden aufgrund der Corona-Pandemie lesen Sie » hier.

Liebe Gemeindeglieder, die Corona-Pandemie hat uns verändert,

Erstellt von Ihre Pfarrerinnen und Pfarrer | |   Andacht

uns und unseren Alltag. Heute, am 25. März, habe ich das Gefühl, wir richten uns langsam ein in der Ausnahmesituation:

Wir wissen noch nicht, wie lange sie andauern wird, und vor allem wissen wir nicht, wie wir unser Land danach vorfinden werden. Viele Fragen stellen sich: Warum lässt Gott tödlich verlaufende Infektionen zu? Was wird bei so starken gesellschaftlichen Einschnitten, dass neue Staatsbankrotte in Europa zu befürchten sind, ganz zu schweigen von den wirtschaftlichen Nöten zahlloser Selbständiger, Restaurantbesitzer, Händler, Künstler? Was will Gott uns mit all dem sagen?

In den Losungen von heute erklingen dazu rüde Worte. Der Prophet Jesaja hat Menschen im Blick, die Gott nach dem „Warum?“ fragen, so als ob man mit dem Schöpfer auf Augenhöhe debattieren könnte. Er ruft: „Wie kehrt ihr alles um! Als ob der Ton dem Töpfer gleich wäre, dass das Werk spräche von seinem Meister: Er [...] versteht nichts!“ (Jesaja, Kapitel 29, Vers 16). Natürlich können wir Menschen unmöglich nachvollziehen, wie Gott als Schöpfer handelt; das Leben bleibt ein Geheimnis. Und trotzdem: Deuten müssen wir die Situation, um mit einem Gefühl von Sinn zu leben. Manche beziehen dabei munter Gott in ihre Deutung mit ein, so als wüssten sie, warum: Die Krise sei ein Strafgericht Gottes, weil die Menschheit sich zu viel Freiheit erlaubt hätte. Sie sei gar ein Werk des Teufels. Oder sie sei ein Weckruf. Zugegeben: Das gegenwärtige Geschehen als Weckruf zu deuten, leuchtet ein – vieles, was wir als Einzelne und als Gesellschaft tun, geschieht mit verengter Perspektive, aus egoistischen Gründen. Oft haben wir das Ganze unseres Lebens, der Welt und den Schöpfer nicht im Blick. Wer sich darin wiedererkennt, der möge geweckt werden von Corona.

Was jedoch erwartet uns, wenn wir aufgewacht sind? Vielleicht sagen wir dann mit der Theologin Petra Bahr: „Die Pandemie ist kein zynischer Erziehungsversuch Gottes, sondern eine Naturkatastrophe in Zeitlupe. [...] Die Welt war in diesem Sinne immer schon aus den Fugen, mal mehr und mal weniger.“ (www.zeit.de, Artikel „Virus der Einsamkeit“ vom 20.03.). Angenommen, das stimmt, und Gott hat mit Corona nicht mehr zu tun als mit dem letzten Regen und mit dem Sonnenschein heute morgen: Was sollen wir von Gott denken? Die Passionszeit, Karfreitag und das Osterfest malen uns den menschgewordenen Gott vor Augen: Wäre Gott nicht gekreuzigt worden, hätte er auch elendiglich an Corona sterben können; Epidemien gab es auch früher schon. Wichtig ist jetzt nicht zu verstehen, wie Gott die „Warum?“-Frage beantworten würde. Wichtig ist, in einer veränderten Rahmensituation und vielleicht grundsätzlicher als vorher wieder zu hören, was wir von Gott durch Jesus Christus lange schon wussten: Gott gibt sich aus Liebe in unser verletzliches Leben und sähe nichts lieber, als wenn sich seine Liebe an uns für andere Menschen spiegelte.

In diesem Sinne noch einmal Petra Bahr: „Wir brauchen einander. Die Kirche [...] kann sich auf das konzentrieren, was ihr Auftrag ist: Gottes Nähe [...] zu verkünden [...] mit Gebet und Paketen vor der Haustür, mit Telefon und Singen vom Balkon, mit Unterstützung für Menschen in innerer und äußerer Not. Und wenn zwischendurch die Kraft fehlt und die Erschöpfung um sich greift, [dann gilt ein] altes geistliches Bekenntnis: ‚Gott glaubt an uns.‘“ Er glaubt an uns alle.

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