Gestern war Pflanztag.

Knapp 40 Sträucher und Stauden. Eine lange Reihe an Töpfen war es, die da zu Beginn auf dem Boden stand.

Was passt wohin? Wie wird es aussehen, wenn die Sträucher größer werden und die Stauden blühen? Ich bin gespannt und freue mich darauf.

Im Moment aber ist nach einem Tag pflanzen wenig Veränderung zu sehen. Verteilt auf dem Gelände wirken die Stauden und selbst die etwas größeren Sträucher verschwindend klein und unscheinbar. Und ich frage mich: Werden sie überhaupt zu sehen sein im Frühjahr? Was, wenn nun das Unkraut schneller in die Höhe wächst? Wenn man die Pflanzen übersieht beim Mähen oder Umgraben…?

Also werden Holzpflöcke eingeschlagen – als Markierung, als Zeichen, dass hier etwas wächst, das besondere Aufmerksamkeit verdient, das noch Schutz braucht und Pflege. Zeichen für das Neue.

Wir gehen auf Weihnachten zu. Wie wird das sein, wie wird das aussehen dieses Jahr? So vieles ist ungewiss. Die Pandemie hält uns in Atem. Wir müssen planen und vorbereiten und wissen doch nicht, was überhaupt möglich sein wird. Konzerte, Adventsfeiern, Krippenspielproben und vor allem die Gottesdienste am Heiligen Abend … – klar ist nur, dass nichts davon so sein wird wie gewohnt.

Wie können wir Weihnachten feiern, wenn so vieles nicht geht? Wie können wir spüren, dass es Weihnachten ist, wenn wir nicht in großer Zahl in unseren Kirchen zusammenkommen und gemeinsam „Stille Nacht“ singen können? Wenn vielleicht auch der Familienbesuch ausfallen muss dieses Jahr? Wenn manches fehlen wird, was für uns einfach dazugehört zu einem richtigen Weihnachtsfest?

Wir brauchen Zeichen – Weihnachtszeichen. „Weihnachtszeichen“ – für gewöhnlich ist die Advents- und Weihnachtszeit voll davon. Kerzen und Sterne, Glühweinduft, Lebkuchen und Stollen, Weihnachtsbäume und Weihnachtslieder … Die Reihe ließe sich noch lange fortsetzen. Wir sind umgeben von solchen Weihnachtszeichen und das wird dieses Jahr ganz sicher nicht anders sein. Und trotzdem scheint das nicht zu reichen. Wir befürchten: wenn etwas davon fehlt, dann wird es kein „richtiges“ Weihnachten, dann merken wir gar nicht, dass Weihnachten ist.

Ich habe wieder meine Pflanzen vor Augen: Ein paar einfache Holzpflöcke mussten genügen als Zeichen. Sie machen den Garten nicht schöner, aber darum geht es ja auch gar nicht. Wichtig ist allein, worauf sie hinweisen: da wächst etwas Neues – auch wenn ich das aus der Entfernung heraus, unter Schnee oder vor lauter Unkraut nicht sehen kann.

Damals vor 2000 Jahren war es ähnlich. Ein Kind in einer Krippe. Das hat Gott als Zeichen genügt. Nichts Außergewöhnliches, Aufwendiges, Großes. Und doch Zeichen der Hoffnung, Zeichen seiner Nähe und seiner Liebe zu uns Menschen.

Das macht mir Mut: Vielleicht brauchen ja auch wir gar nichts Großartiges und nicht das volle Weihnachtsprogramm. Im Gegenteil. Vielleicht lenkt uns ja die Fülle nur ab vom Eigentlichen. Vielleicht genügen ein paar einfache Zeichen. Zeichen der Liebe, Zeichen der Hoffnung, dass Gott Licht bringt in unsere Dunkelheit und uns nahe ist.

Ich wünsche uns, dass es uns gelingen möge, Zeichen zu setzen, die davon künden, und dass jeder von uns solche Zeichen auch für sich entdecken kann in diesen Tagen. Wer weiß: vielleicht wird uns ja die größere Ruhe, die das Fest dieses Jahr begleiten wird, bei der Suche nach den richtigen Weihnachtszeichen guttun. Halten Sie die Augen offen!

Ihre Pfarrerin Constance Šimonovská