Ein Feld voll wogenden Getreides

|   Andacht

unter einem strahlend blauen Himmel fast bis zum Horizont und schon beinahe reif.

Für mich ist dieses Bild der romantische Inbegriff für den Wohlstand unseres Landes. Im September feiern wir wieder unsere Erntedankfeste. Und wir haben zu danken!

Aber wie schon 2018 nach dem großen Dürresommer werden die Gottesdienste dieses Jahr wahrscheinlich denkwürdiger ausfallen. Denn wir haben in diesem Jahr gemerkt, wie erschütterbar die Wirtschaften und Industrien auch unserer westlichen Länder sind. Und wie abhängig wir davon sind. Wird die Wirtschaft eines Landes heruntergefahren, kann es tatsächlich passieren, dass es zu Lieferengpässen kommt und damit zum Fehlen von Gütern in unseren Supermärkten. Erinnern Sie sich noch an die leer geräumten Nudel- und Konservenregale im Frühjahr auch bei uns? Und an das fehlende Toilettenpapier?!

Die Evangeliumslesung für den Erntedankgottesdienst ist nach der neuen Perikopenordnung „Die Speisung der Viertausend“ (Mk 8,1-9): Eine große Menschenmenge hat sich Jesu Verkündigung angehört. Nun sind sie hungrig, aber der Weg zur nächsten Einkaufsgelegenheit ist weit. Und nach Hause ist es für die meisten noch weiter. Also macht Jesus eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Esswaren, dankt für die sieben Brote und spricht den Segen über ein paar Fische, die auch noch da sind. Es ist ein Wunder, denn es reicht nicht nur für alle, es bleibt auch noch – und zwar nicht zu wenig – übrig.

„Teilen macht Spaß“ – mit diesem Lied von „Zirkus Lila“ bin ich aufgewachsen und musste feststellen, dass das Teilen der vorhandenen Speisen schon mit vier Geschwistern eine Herausforderung darstellt...

Erntedank ist das Fest, an dem wir Gott für seinen Segen danken, mit dem er die Früchte des Feldes und der Bäume auch in den zurückliegenden Monaten hat wachsen lassen. Wir singen und erzählen von dem Dank Gott gegenüber, dass es uns hier so gut geht; dass er uns mit dem versorgt, was wir zum Leben brauchen – und vielem darüber hinaus!

Aber Erntedank ist auch das Fest im Kirchenjahr, an dem wir uns bewusst machen sollten, wie gut es uns geht und wie schlecht es Menschen um uns herum geht; wie reich wir von Gott beschenkt werden und mit wie wenig andere Menschen auskommen müssen und das nicht einmal so weit weg von uns. Es kann nicht sein, dass fast 1.000.000.000 – in Worten: eine Milliarde Menschen auf dieser Welt Hunger leiden, einfach, weil sie nichts von der Fülle der Lebensmittel abbekommen, die eigentlich vorhanden ist! Und wir schmeißen immer noch sehr viele Lebensmittel weg, einfach, weil wir es uns leisten können.

„ALLER Augen warten auf dich, dass du ihnen Speise gibst zur rechten Zeit.“ Am Erntedankfest sollte es daher auch um Verteilungsgerechtigkeit gehen.

Und „Verteilungsgerechtigkeit“ ist eine Facette des sehr viel weiteren Begriffs „Gerechtigkeit“. Was Gerechtigkeit ist – biblisch, politisch, gesellschaftlich – darum soll es bei dem zweiten Themenabend gehen in unserer diesjährigen Themenreihe „Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung“. Der Abend findet am Mittwoch, dem 23. September, ab 19.30 Uhr im Lutherhof in Neugersdorf statt. Zu Gast ist Silke Pohl vom ökumenischen Informationszentrum e.V. Dresden.

Eine behütete Zeit wünscht Ihnen
Pfarrerin Friederike Hecker

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