Liebe Leserinnen und Leser,

|   Andacht

Monatsspruch April: Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. 1. Korinther 15,42

Frühling. Endlich. Die Welt streckt sich zum Leben. Köpfe richten sich auf, suchen das Blau in Himmel und Weite. Nach der Zeitumstellung werden die Tage länger. Die Halme auch. Überall rumoren Frühlingsgefühle. Mit der Natur werden auch die Lieder bald wieder fröhlicher; nach der Karwoche kommt Ostern, auch in Ton und Klang. Halleluja! Die Welt streckt sich zum Leben.

Nur die Trauergruppe auf dem Friedhof sieht zu Boden, blickt in ein ausgehobenes Grab, wirft Erde und Blüten hinein. Schwarz, schweigend, stumm, dieses Häuflein im bunten Frühlingswirbel. Martin Luther benennt den schwarzen Fleck im bunten Bild mit einem alten Choral: „Mitten wir im Leben sind mit dem Tod umfangen“ (EG 518). Wie geht das zusammen: Leben und Tod? Die uralte Frage. Wer trauert, wundert sich, warum die Welt sich einfach weiterdreht und so tut, als wäre nichts gewesen: Warum steht angesichts des Todes meines vertrauten Menschen nicht alles still und stirbt mit? Was hat es zu bedeuten, dass wir uns einmal zufielen für ein paar Jahre Lebenszeit; was hat es zu bedeuten, dass wir uns dann wieder verloren haben? Wie geht das zusammen: Leben und Tod? Die Natur und unser christlicher Glaube sagen uns, dass das Leben weitergeht: Der Tod ist der Übergang in ein neues Sein unter anderen Voraussetzungen. Ostern bringt mitten im Frühjahr die Botschaft der Auferstehung, im Hier und Jetzt, und im Danach. Ostern bringt etwas zusammen, was der Mensch gerne trennen möchte: Hier das Leben, dort der Tod. Der Mensch hat für den Tod abgeschirmte Bereiche geschaffen: Pflegeheim, Krematorium, Friedhof, Himmel. Der Rest soll das Leben sein, sagt der Mensch, und stirbt trotzdem tausend kleine Tode, weil sich das Leben dummerweise nicht genauso abschirmen lässt wie der Tod. Leben ist Größer-Werden und Wieder-kleiner- Werden, Bauen und Abbauen, das Lieben und die Ernüchterung, Vertrauen und Enttäuschung, Finden und Verlieren. – Und umgekehrt.Unsere Bibel, unser Glaube nimmt uns an der Hand, führt uns spazieren durch dieses Leben: Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Aber der Glaube hört nicht mit dem Winter auf wie wir kalendergeübten Menschen, er fügt immer noch einmal hinzu – den Frühling. Die Bibel liest uns aus dem Leben vor, aber eben nicht von vorne nach hinten, sondern am liebsten von oben nach unten und von unten nach oben. Und endet immer im Frühling, wenn das Leben im Aufstieg begriffen ist, zu Ostern.

Pfarrer Stephan Rehm nach einer Idee von Pfarrer Jochen Lenz

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