„Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.“

(Hebr 10,24)

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wohl immer, wenn sich die warmen Herbsttage endgültig verabschiedet haben und absehbar ist, dass sich nun auch die herrliche Muße freier Urlaubstage und Ferien dem Ende zuneigt, dann kann uns zuweilen schon wehmütig ums Herz werden. Besonders mag uns solche Wehmut nach den bedrückenden Erfahrungen der langen und finsteren Monate einholen, in denen uns diese elende Seuche in solch nie gekannter Unerbittlichkeit im Griff hatte. Unvergessen ist noch immer, wie schier unendlich lange unser Sehnen dem Licht am Ende des Tunnels, nach Nähe, nach herzlicher Umarmung und selbstverständlichem Miteinander unerfüllt bleiben musste. Wie gut hat uns gerade auf diesem Hintergrund all das Lichte in den langen Sonnenstunden, alle Wärme und Gelassenheit der Sommerzeit getan. Wie unendlich gern haben wir uns nach dieser Fülle des Lebens ausgestreckt und sie miteinander genossen.

Es ist nur allzu natürlich, dass unsere Seele nur ungern aufgeben will, was ihr doch so gut tut. Es fällt immer wieder schwer hinzunehmen, dass sich eben gerade das nicht festhalten lässt, was wir als Balsam für unsere Seele erleben. Wir müssen uns damit abfinden, dass sich all das Himmlische gerade wegen seiner Einzigartigkeit ereignen kann.

Wovon wir allerdings noch lange zehren dürfen, das sind all unsere himmlischen Erinnerungen. Möglicherweise liegt auch darin begründet, dass wir uns so gern Erinnerungsstücke von unseren Reisen mitbringen. So gern wollen wir etwas Handfestes behalten. Etwas, von dem wir uns erhoffen, dass wir es hinüberretten können in unseren Alltag. Etwas, was die Kraft hat, in uns die Lebensfreude, diesen Seelenbalsam, wach zu halten.

Was wohl werden Sie mit hinübernehmen aus diesen Sommermonaten? Die Erinnerung an all die herrlichen Farben da draußen oder den Geruch und die Töne lauer Sommerabende nach einem Tag praller Sonne?

Der Monatsspruch im Oktober hat für uns zu all dem noch einen wohlmeinenden Rat parat: „Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.“

Ja, mögen wir uns und einander in diesen Zeiten nicht vergessen. Aus gutem Grund legt uns der Hebräerbrief diese Lebensweisheit mit besonderem Nachdruck ans Herz. Auch wenn der Alltag uns wieder hat und uns zudem die Belastungen der Pandemie möglicherweise wieder mehr und mehr zusetzen, auch und besonders dann soll keinem unter uns die Lebensfreude gänzlich abhandenkommen.

Erinnerungen können uns dabei wie heilsamer Sand im Alltagsgetriebe zum Seelenheil werden. Schöne Erinnerungen, wunderbare Begegnungen und erfüllende Beziehungen; all das Bereichernde will eine willkommene Einladung sein, uns selbst nicht zu verlieren. Mag dieses darüber hinaus uns Kraft genug schenken, dass wir nicht aufhören, uns auf den zu besinnen, der uns voller Zuversicht im Leben halten will. Und an dem wir uns immer und ewig festhalten dürfen.

Dass Sie sich behütet und gehalten wissen, egal wie Ihnen das Leben entgegenkommen mag, das wünscht Ihnen

Pfarrerin im Kirchenbezirk Sigrun Zemmrich