Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Die „Gebietserweiterung“ durch das neue Kirchspiel bringt neue Bekanntschaften mit sich.

Ich möchte Ihnen gerne jemanden vorstellen, der sich mir vorstellte – mit einer Andacht. Sicher kommt das eher selten vor, dass sich jemand mit einer Andacht vorstellt. Gerade deshalb möchte ich Ihnen diese Andacht eines besonderen Menschen gerne weitergeben: Rosalie Renner aus Lauba ist eine junge Frau um die 20, die vor kurzem Abitur gemacht hat – und an Spinaler Muskelatrophie leidet. Frau Renner betreibt trotz der Einschränkungen durch ihre Krankheit eine Website (https://rosalie-renner.jimdofree.com/), und geht auf diese Weise offenherzig mit der globalen Welt in Kontakt. Sie sagt, sie freut sich dort über digitalen Besuch. Da Frau Renner im Gegensatz zu fast allen Menschen ihrer Umgebung nicht stehen kann und daher nicht in unseren Gottesdiensten vorne stehen wird, endet hier die Vorrede. Ich übergebe das geschriebene Wort an Frau Renner, denn durch geschriebene Wörter und ein passend ausgesuchtes Bild drückt sie sich aus. Rosalie Renner aus Lauba schreibt:

„Liebe Leser des Nachrichtenblattes, In den letzten Wochen und Monaten ist viel geschehen, was wir nie für möglich gehalten hätten. Jeden Tag gibt es neue Regeln und Nachrichten rund um Corona. Das verwirrt uns und macht uns Angst. Doch leider können wir diesem Thema nirgends entkommen, weil es im Moment unser ganzes Leben bestimmt und wir nicht viel dagegen tun können. Das macht uns noch mehr Angst. Ständig gibt es negative Schlagzeilen, Einschränkungen, Unverständnis, … Ein normales Leben ist längst noch nicht in Sicht. Was und wie sollen wir da noch glauben?

So ein Gefühl der Hilflosigkeit erlebten auch die Jünger Jesu, als sie mit ihrem Boot in einen Sturm gerieten: „Da kam ein schwerer Sturm auf, sodass die Wellen ins Boot schlugen. Das Boot füllte sich schon mit Wasser, Jesus aber lag hinten im Boot auf dem Sitzkissen und schlief. Die Jünger weckten ihn und riefen: ‚Lehrer, kümmert es dich nicht, dass wir untergehen?‘ Jesus stand auf, sprach ein Machtwort zu dem Sturm und befahl dem tobenden See: ‚Schweig! Sei still!‘ Da legte sich der Wind und es wurde ganz still. ‚Warum habt ihr solche Angst?‘, fragte Jesus. ‚Habt ihr denn immer noch kein Vertrauen?‘“ (Markus 4,37-40; Gute Nachricht Bibel).

Jesus ist während des Sturmes ganz entspannt und glaubt selbstverständlich daran, dass Gott sie alle beschützt. Vermutlich würde er uns diese fast schon vorwurfsvolle Frage ebenfalls stellen: „Habt ihr denn immer noch kein Vertrauen?“ Immer wenn irgendetwas schiefläuft oder nicht so ist, wie wir es gewohnt sind, bricht Panik aus, wir vergessen Gott und sehen nur noch das Negative. Aber diese Angst bringt uns nicht weiter, sondern lässt uns an Gott zweifeln. Stattdessen sollten wir uns bewusst für Ruhe, Geduld und Hoffnung entscheiden. Gerade solche stürmischen Zeiten sind Gelegenheiten, starkes Vertrauen zu Gott aufzubauen oder zu erhalten. Beten wir und legen unsere Sorgen in Seine Hände. Werden wir auf unsere Art aktiv und verbreiten positive Energie. Lassen wir los, was wir nicht kontrollieren können, denn wir können nie tiefer fallen als in Gottes Hand.“

Pfarrer Stephan Rehm