Angedacht

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Halbzeit – wie klingt das für Sie? Wenn Sie Fußball spielen, bedeutet es vielleicht: Kabinengespräch und Auswertung der ersten Spielzeit. Je nachdem, wie das Spiel jetzt steht, kann das Lob bedeuten – nicht nur für das wirklich erkämpfte Tor, sondern für passgenaues Zuspiel, für wirkungsvolle Verteidigung, für ernstgenommene Chancen… Oder es bedeutet Kritik – für verpasste Gelegenheiten, für nutzlose Alleingänge… Halbzeit: das ist die Möglichkeit, sich für 15 Minuten zu erholen und neue Kräfte zu sammeln, die Gelegenheit zum Auswerten und die Möglichkeit zur Korrektur. Hier wird noch mal Mut gemacht und motiviert. Und dann: Anpfiff – zurück auf den Platz, durchstarten und im besten Fall nach weiteren 45 Minuten als Sieger (oder wenigstens mit Gleichstand) vom Platz gehen.

Halbzeit für 2022 – wollen wir uns Zeit nehmen für ein Kabinengespräch? Unglaublich, dass die ersten sechs Monate schon wieder vorbei sind. Ob wir erfolgreich waren? Zumindest ist viel passiert in den Gemeinden: Konfirmationen, Bauabschlussfeste in Dürrhennersdorf und Oppach, wir haben Weltgebetstag gefeiert und den Hoffnungsweg, es gab Konzerte und neue Glocken, das Rogate-Treffen und und und… Und es gibt die Friedensgebete, die ukrainischen Bewohner in unseren Häusern, die gestiegenen Preise für Heizung und Sprit, die Unsicherheit über die Entwicklung der Inzidenzen im Herbst… Haben wir die ersten 180 Tage gut genutzt? Geschenkte Zeit, geschenkte Kraft, geschenkter Frieden. Geschenktes Vertrauen, geschenkte Fürsorge, geschenkte Hoffnung, geschenkte Liebe. Wie sind wir damit umgegangen? Gedanken für ein Kabinengespräch mit dem Coach.

Halbzeit 2022 – das bedeutet: in weniger als sechs Monaten feiern wir Weihnachten. Gott sei Dank, Gott ist in diese Welt gekommen! Das ist auf jeden Fall ein schöner Ausblick, ein gutes Ende, ein zugleich mutmachendes und tröstliches Ziel.

Halbzeit 2022 – am 24. Juni gibt uns Johannes der Täufer mit seinen Beispielen und vor allem mit seinem Leben Anstöße zum Überprüfen unseres Lebens. Ja sicher:  Er selber war das, was man heute als Extremist einordnet. Auf seine Art zu leben, das wünschen wir uns für unsere Kinder eher nicht… Viele seiner Gedanken aber stecken voller Fairness. „Wer zwei Mäntel hat soll (nur) einen weitergeben an den, der gar keinen hat.“ Er bedenkt die verschiedensten Lebensentwürfe: Priester, Zöllner, Soldaten, und nimmt sie alle ernst. Von anderen fordert er keine Höchstleistungen. Was er möchte, passt in einen Satz: „Bereitet dem HERRN den Weg.“

Halbzeit 2022 – Gelegenheit zum Mutmachen, zum Korrigieren, zum Kräfte sammeln; zum Danken für das, was erreicht wurde oder (zum Glück) nicht passiert ist; zum Staunen über Gottes Gegenwart auch da, wo wir nicht damit gerechnet haben. Und dann: Neustart, auf in die zweite Halbzeit, neu ausgerichtet mit der Motivation von Johannes: „Bereitet dem HERRN den Weg.“ Passgenaues Zuspiel, wirkungsvolle Verteidigung, ernstgenommene Chancen – das gibt es nicht nur beim Fußball. Wäre doch toll, wenn die zweite Halbzeit 2022 bei uns auch so „gespielt“ würde – oder was meinen Sie?

Ihre Annegret Firl

Liebe Leserinnen und Leser!

Es ist Anfang März. Die Sonne scheint schon fast frühlingshaft heute. Aber die Sonne und Stimmung im Innern – das passt nicht zusammen. Vor wenigen Tagen hat in Europa ein Krieg begonnen. Noch immer herrscht Fassungslosigkeit. Jeder Tag bringt neue Nachrichten, neue Bilder, neue Spekulationen, wie es weitergehen wird – neues Erschrecken.

Der Blick in den Kalender sagt: In sieben Wochen wird Ostern sein!

Aber das ist heute ganz unvorstellbar weit weg. Heute – das ist Angst, Ohnmacht, Lähmung.

Meine Gedanken gehen zurück. Zurück ins Jahr 2014. Es ist ebenfalls März, Passionszeit.

In der Rumburger Kirche wird (in Anlehnung an einen Text des Kemnitzer Pfarrers Thomas Markert) das Passionsspiel „Warum“ aufgeführt – die Geschichte von Jesu Leidensweg verwoben mit Leidensgeschichten unserer Zeit.

In einer der kleinen, nur angedeuteten Geschichten geht es um Natalia, die bei einer Demonstration auf dem Maidan in Kiew von einer tödlichen Kugel getroffen wird. Ungeplant und für alle überraschend springt mitten in der Aufführung ein Ukrainer im Publikum auf und ruft laut durch die Kirche „Es lebe die Ukraine!“.

Die Spieler verharren mitten im Spiel. Für einen Moment herrscht Stille.

Erst nach einigen Sekunden geht die Aufführung weiter. Und – dieser Eindruck ist noch heute präsent – sie geht irgendwie anders weiter. Der Text ist derselbe wie in den Proben. Aber da ist nun eine andere Intensität. Das, was da gespielt wird, hat sich mit dem wirklichen Leben verbunden. Das, was wir nur aus Fernsehberichten kannten, ist plötzlich ganz nah. Und auch als dann die Spieler in die Rolle von Jesu Freunden schlüpfen und erzählen, wie sie die letzten Tage mit ihm erlebt haben, schwingt mit: Auch das ist keine ferne Geschichte mehr, sondern das hat mit uns zu tun.

Eine der letzten Szenen des Stückes spielte unter dem Kreuz. Da war bei den Freunden Jesu all das mit Händen zu greifen, was mich auch heute bewegt: Fassungslosigkeit, Trauer, Angst, Ohnmacht ...

Ostern war noch nicht in Sicht.

Und dennoch schien Hoffnung auf!

Ganz vorsichtig, zögerlich, tastend.

Nicht die Hoffnung, dass alles Leid nun überwunden und vorbei ist.

Aber die Hoffnung, dass Jesu Tod nicht umsonst war, dass aus ihm heraus etwas Neues erwächst. Die Hoffnung, dass Gottes Liebe die Kraft hat, Herzen anzurühren und zu verwandeln – und dass sich diese Liebe auch durch den Tod nicht bezwingen lässt.

Heute, im März 2022, erlebe ich mich dabei, wie ich die täglichen Nachrichten abklopfe nach jedem noch so kleinen Hoffnungszeichen. Sind es die Nachrichten über weitere Sanktionen, über einen zurückeroberten Flughafen oder über Panzer, die ohne Treibstoff liegenbleiben, die die Hoffnung nähren? Hoffnung auf ein baldiges Ende des Krieges und der Gewalt.

Und was, wenn diese Hoffnung zerbricht?

Ich denke zurück an die Anhänger Jesu unter dem Kreuz, die die Hoffnung begraben mussten, dass Jesus dem Tod entgeht, dass all das Leid nur ein böser Traum ist – und die dennoch erfahren durften: Das ist nicht das Ende. Unsere letzte und tiefste Hoffnung bleibt auch im Schatten des Todes lebendig.

Wo ist Hoffnung, Hoffnung trotz Angst und Leid und Tod?

Ich finde sie da, wo ich staunend entdecke: Da sind Menschen, denen Gerechtigkeit, Freiheit, Wahrheit, wichtiger sind als das eigene Wohl, die eigene Sicherheit, ja das eigene Überleben; da sind Menschen, die sich dem Hass und dem Misstrauen widersetzen, die nicht gleichgültig bleiben, Herzen und Türen öffnen, zusammenrücken, miteinander teilen und zugleich merken, wie ihnen daraus Kraft zuwächst.

Ich schaue mich um und entdecke: All das geschieht! Der Angst und dem Leid und dem Tod zum Trotz.

Und langsam, zögerlich, aber stetig bricht sich in mir die Hoffnung von Ostern Bahn: Aus Tod kann Leben werden. Die Liebe ist nicht totzukriegen.

Ihre Constance Šimonovská

Liebe Leserinnen und Leser!

Granatäpfel sind faszinierende Früchte. Sie gehörten zur Zierde des Priestergewandes und des Tempels im alten Israel.

Wussten Sie, dass die „Zwiebeln“ im „Zwiebelmuster“ des berühmten blau-weißen Porzellans in Wahrheit gar keine Zwiebeln, sondern Granatäpfel sind? Und dass der Orangensaft von „Punica“ gar keinen Granatapfelsaft enthält, obwohl sein Name von der lateinischen Bezeichnung des Granatapfelbaumes „punica granatum“ abgeleitet ist?

Die vielen Körner in der Frucht symbolisieren Wohlstand und Fruchtbarkeit. Ihre Vielzahl soll sich im Kinderreich-tum verwirklichen und damit dem Volk die Zukunft sichern. Zum jüdischen Neujahrsfest verspeist man einen Granatapfel und nimmt damit den Vorsatz auf sich, so viele guten Taten zu tun, wie die Frucht Körner hat. Zugleich wünscht man sich aber auch ebenso viele schöne Momente.

Der Granatapfel wird als die verbotene Frucht im Paradiesgarten angesehen, auf die die Schlange Evas Aufmerksamkeit lenkte. Eva und Adam aßen davon und widersetzten sich damit der Anordnung Gottes. Fortan mussten sie erfahren, was gut und böse ist. Das Gute kannten sie bereits, aber nun war dem Bösen die Tür geöffnet und es konnte überall mitmischen. Zu jedem Vorteil gesellte sich ein Nachteil; die Freude über die Geburt eines Kindes begleiteten Schmerzen für Mutter und Kind; zur Arbeit kamen Mühe, Berufskrankheit und Arbeitsunfälle hinzu. Ganz zu schweigen von dem Bösen in Form von Verbrechen und Gewalt.

Der perfekte Granatapfel soll genau 613 Körner besitzen. Warum? Weil es so viele Weisungen Gottes in den fünf Büchern Mose (Thora) gibt. Damit schenkte Gott eine Hilfe, Gut und Böse zu unterscheiden und sich für das Gute zu entscheiden – z. B.: Es ist gut, am siebenten Tag zu ruhen und Gott die Ehre zu geben – es ist schädlich, dies nicht zu tun.

Nun, ich staune, dass auch das „Neue Testament“ einem Granatapfel gleicht, der eine Vielzahl von göttlichen Handlungsanweisungen enthält, z. B. „Bittet, so wird euch gegeben …“ (Matth. 7,7) oder „Seid dankbar in allen Dingen …“ (1. Thess. 5, 18). Ohne klare Weisungen kriegen wir unser Leben nicht hin. Wir danken Gott, dass er uns ansagt, wie wir leben sollen.

Natürlich ist es viel einfacher, eine Banane zu schälen und zu essen als einen Granatapfel zu öffnen und die Körner herauszupulen – Vorsicht übrigens: Granatapfelsaft macht hartnäckige Flecke auf der Kleidung! Tja, aber dennoch ist der Anblick eines leuchtend roten Granatapfels viel anziehender als der einer fleckigen Banane. Das bedeutet: Gottes Weisungen sind so kernig, so gesund, so zahlreich wie das Innenleben eines Granatapfels. Allerdings nicht einfach mit einem Biss nebenbei zu haben. Man muss sich schon mühen, um an den Inhalt zu kommen.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie die Bibel genießen wie einen Granatapfel, Kern für Kern zu sich nehmen, kauen, sich mit anderen über den Geschmack unterhalten und in Ihrem Leben zur Tat werden lassen. Dazu wollen die Gottesdienste und Gemeindekreise helfen. Nutzen Sie das, was zurzeit angeboten werden kann – und das ist trotz allen (Corona)Hindernissen insgesamt zahlreich wie die Körner der besagten Frucht.

Herzliche Segensgrüße aus Lawalde!

Pfarrerin Karin Baudach

Andacht zur Jahreslosung 2022

Willkommen!

Was für ein schönes Wort! Es klingt so rund und einladend. Was für ein schweres Wort – in dieser Zeit! Da sagt einer: Ich will kommen! Zu euch, in euer schönes Land, mit funktionierendem Rechtssystem, mit sauberen Straßen, Sozialleistungen, Kindergärten. Aber uns bleibt die Antwort im Halse stecken. Angesichts überfüllter Zeltlager, Überlastung von Helfern, fehlender Strukturen. Und dann fangen wir an zu diskutieren: Über richtige Gründe, kommen zu wollen. Und falsche. Wie viel Zurücksetzung, wie viel Mangel ist einem Menschen zuzumuten, bevor er willkommen ist? Wie viel Anderssein ist uns zuzumuten, bevor wir aufgeben und die Tür verschließen dürfen? Wie wenig darf einer haben? Wie viel müssen wir abgeben? Es wäre müßig, an dieser Stelle auf die unzähligen Hinweise der Bibel einzugehen, die uns die Aufnahme des Fremden gebieten. Und es würde unsere Ängste nicht beheben. Stattdessen möchte ich an ein Willkommen erinnern, auf das wir alle unverdient angewiesen sind:

Jesus Christus spricht: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“
Johannes 6,37

Ihre Pfarrerin Maximiliane Rehm

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wohl immer, wenn sich die warmen Herbsttage endgültig verabschiedet haben und absehbar ist, dass sich nun auch die herrliche Muße freier Urlaubstage und Ferien dem Ende zuneigt, dann kann uns zuweilen schon wehmütig ums Herz werden. Besonders mag uns solche Wehmut nach den bedrückenden Erfahrungen der langen und finsteren Monate einholen, in denen uns diese elende Seuche in solch nie gekannter Unerbittlichkeit im Griff hatte. Unvergessen ist noch immer, wie schier unendlich lange unser Sehnen dem Licht am Ende des Tunnels, nach Nähe, nach herzlicher Umarmung und selbstverständlichem Miteinander unerfüllt bleiben musste. Wie gut hat uns gerade auf diesem Hintergrund all das Lichte in den langen Sonnenstunden, alle Wärme und Gelassenheit der Sommerzeit getan. Wie unendlich gern haben wir uns nach dieser Fülle des Lebens ausgestreckt und sie miteinander genossen.

Es ist nur allzu natürlich, dass unsere Seele nur ungern aufgeben will, was ihr doch so gut tut. Es fällt immer wieder schwer hinzunehmen, dass sich eben gerade das nicht festhalten lässt, was wir als Balsam für unsere Seele erleben. Wir müssen uns damit abfinden, dass sich all das Himmlische gerade wegen seiner Einzigartigkeit ereignen kann.

Wovon wir allerdings noch lange zehren dürfen, das sind all unsere himmlischen Erinnerungen. Möglicherweise liegt auch darin begründet, dass wir uns so gern Erinnerungsstücke von unseren Reisen mitbringen. So gern wollen wir etwas Handfestes behalten. Etwas, von dem wir uns erhoffen, dass wir es hinüberretten können in unseren Alltag. Etwas, was die Kraft hat, in uns die Lebensfreude, diesen Seelenbalsam, wach zu halten.

Was wohl werden Sie mit hinübernehmen aus diesen Sommermonaten? Die Erinnerung an all die herrlichen Farben da draußen oder den Geruch und die Töne lauer Sommerabende nach einem Tag praller Sonne?

Der Monatsspruch im Oktober hat für uns zu all dem noch einen wohlmeinenden Rat parat: „Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.“

Ja, mögen wir uns und einander in diesen Zeiten nicht vergessen. Aus gutem Grund legt uns der Hebräerbrief diese Lebensweisheit mit besonderem Nachdruck ans Herz. Auch wenn der Alltag uns wieder hat und uns zudem die Belastungen der Pandemie möglicherweise wieder mehr und mehr zusetzen, auch und besonders dann soll keinem unter uns die Lebensfreude gänzlich abhandenkommen.

Erinnerungen können uns dabei wie heilsamer Sand im Alltagsgetriebe zum Seelenheil werden. Schöne Erinnerungen, wunderbare Begegnungen und erfüllende Beziehungen; all das Bereichernde will eine willkommene Einladung sein, uns selbst nicht zu verlieren. Mag dieses darüber hinaus uns Kraft genug schenken, dass wir nicht aufhören, uns auf den zu besinnen, der uns voller Zuversicht im Leben halten will. Und an dem wir uns immer und ewig festhalten dürfen.

Dass Sie sich behütet und gehalten wissen, egal wie Ihnen das Leben entgegenkommen mag, das wünscht Ihnen

Pfarrerin Sigrun Zemmrich

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Urlaubszeit. Wie schön ist es, den eigenen Horizont zu erweitern! Sei es auf einer aussichtsreichen Erhebung im Gebirge oder am Meer. Sei es, um andere Kulturen und Menschen kennenzulernen oder um jenseits des bekannten Gesichtskreises Kraft zu schöpfen für meine Aufgaben in Familie und Beruf.

Die Zeit des „Freigelassenseins“ ist oft mit schönen Erlebnissen verbunden. Davon erzählen Bilder, das Urlaubstagebuch oder Kartengrüße an Bekannte, Verwandte und die, die gerade nicht verreisen können. Mancher bringt sich ein Glas voller Muscheln vom Strand mit oder hat, wie ich, einen kleinen Karton mit Steinen verschiedener Herkunft. Keine bedeutenden Stücke, aber hier und da mit Erinnerungen verknüpft. Darunter als Exot auch eine grüne Glasscherbe von meinem ersten Ostseeaufenthalt: eine Kindererholungszeit 1984 kurz vor Schuleintritt.

Szenenwechsel: Der 1. August steht in der Herrnhuter Losung unter einem Wort aus dem 5. Buch Mose 6 5: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieb haben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft.“ Ganz schön anspruchsvoll! Bin ich kleiner Mensch überhaupt in der Lage ansatzweise zu ermessen, was das heißt?

In einer Bibelwoche habe ich gelernt, dass die Übertragung des hebräischen Urtexts hier genauer heißen müsste: „Du wirst den Herrn, deinen Gott, lieb haben …“ – Wirst du wohl! Oder muss ich erst …? – Das klingt aber wenig einladend. Und ist auch nicht so gemeint. – Vielmehr: Sieh doch mal, wie reich uns Gott beschenkt! Macht so etwas nicht nur jemand, der es gut mit uns meint?! – Wenn wir beginnen, das zu erahnen oder begreifen, reift auch der Gedanke in uns: „Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt!“ (1. Joh. 4 19)

Wie stellen wir das aber an oder was brauchen wir dazu? Sehen wir uns doch nochmal die Glasscherbe etwas genauer an. Na, so ‘ne echte Scherbe ist es gar nicht (mehr). Freundliche gerundete Seiten, kein garstiger „In-den-Fuß-Schneider“, wenn ich barfuß am Strand spazieren gehe. Sicher wurde sie vor meinem Fund schon Monate, vielleicht Jahre, von der Kraft des Wassers zwischen Sand und Steinen hin und her gewalkt und hat Ecken und Kanten eingebüßt. Ich nehme sie gern in die Hand, denn sie hat ihre hässlichen, unnahbaren Eigenschaften abgelegt, erzählt von einem bewegten Dasein, hat an Lieblichkeit gewonnen, ohne gänzlich den Charakter verloren zu haben.

Vielleicht ist es das, was uns fähig macht zur Liebe gegenüber Gott und den Mitmenschen: ein eigener Sinn, aber kein Eigensinn, Toleranz und Nachsicht ohne ein eigenes wertvolles Profil aufzugeben. Und nicht zuletzt: Dankbarkeit und Demut. Wie eine offene Landschaft den Weitblick im Urlaub ermöglicht, fördern Dankbarkeit und Demut einen weiten Horizont in unseren Herzen, denn so bleiben wir nicht bei uns stehen. Vielmehr können wir Gottes Schöpfung staunend und unsere Mitmenschen liebevoll in den Blick nehmen.

Die daraus erwachsende Gemeinschaft muss uns außerdem befähigen, Rat und Hilfe für die Nöte unserer Zeit an höchster Stelle zu erbitten. Auch hier kommen wir als Menge herkömmlicher Scherben nicht vorwärts. Gottes Hilfe zu erbitten, setzt Demut voraus. Jeder für sich und mit gespreiztem Wesen: keine Chance! Klimawandel, Wetterkapriolen, Artensterben, Krankheiten, menschliche Entzweiungen im Kleinen und Großen – für all das stellen wir zwar Überlegungen zur Linderung an. Trotzdem werden wir – zu unserem Heil – nicht daran vorbeikommen, mit Gottes Hilfe zu rechnen und sie in Anspruch zu nehmen, wenn wir die Schwierigkeiten wirklich überwinden wollen.

Der Lehrtext der Herrnhuter Losung zum 1. September macht uns aufmerksam: „Wenn ihr den Vater um etwas bitten werdet in meinem Namen, wird er’s euch geben.“ (Joh. 16 23)

Lassen wir dieses Angebot nicht brach liegen, sondern Gott unsere Herzensanliegen vertrauensvoll vortragen. Wenn sich sein liebendes „Ja“ und unsere freundliche Antwort verbinden, werden sich ungeahnte Türen und Wege eröffnen.

Scherben bringen Glück. Vorzugsweise aber solche mit weichen „Gesichtszügen“. Und wenn wir sie mit Gottes Hilfe wieder zu einem Ganzen zusammenfügen, denn „es ist nicht auszudenken, was Gott aus den Bruchstücken unseres Lebens machen kann, wenn wir sie ihm ganz überlassen.“ (Blaise Pascal)

Offene Augen für Ihren nächsten schönen Fund im Urlaub oder Alltag wünscht Ihnen

Kantor Amadeus Egermann

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
„man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“

heißt es in der Apostelgeschichte. Der Vers ist uns als Monatsspruch für den Juni dieses Jahres gegeben.

„Gehorsam“, das ist ein Wort, dass bei vielen Menschen heute Widerstand hervorruft. Da ist viel vom „vorauseilenden Gehorsam“ die Rede, von bedingungslosem, blindem Gehorsam. Und schon die Erklärung des Dudens zum Begriff Gehorsam als „Unterordnung unter den Willen einer Autorität“ erzeugt Abwehrhaltung. In unserer Gesellschaft gibt es im Moment große Sympathien für den „zivilen Ungehorsam“. Aber Kinder, die nicht gehorchen, sind wiederum ein Graus für jeden, der sie hüten muss.

Und nun steht dort fettgedruckt in der Bibel: „man muss Gott mehr GEHORCHEN als den Menschen“.

Wenn man einen Schritt zurück geht und das Wort einmal unabhängig vom derzeitigen Geschehen betrachtet, sieht man, dass das Wort in seiner Grundbedeutung etwas mit „hören“ zu tun hat. Gehorchen, das bedeutet zunächst erst einmal: hören, auf jemanden hören und dem Gehörten dann folgen.

Das griechische Wort, das in Apg 5,29 geschrieben steht, setzt sich allerdings aus zwei Wurzeln zusammen, deren Bedeutungen das „gehorchen“ noch in eine andere Richtung lenken. Der Anfang des Wortes meint so viel wie: sich überreden / überzeugen lassen, sich von jemandem bestimmen lassen, sich verlassen auf, vertrauen auf, seine Zuversicht setzen auf. Der zweite Wortteil hat die Bedeutung: Herrschaft, Machtbereich. Zusammengesetzt bedeutet das Wort also in etwa: Sich unter dem Herrschaftsbereich von … befinden; vertrauen auf die Macht von...
Dann heißt der Vers z.B.: „Man sollte der Macht Gottes mehr vertrauen als den Menschen“.

Als Petrus und die anderen Apostel diesen Satz sagen, stehen sie vor der obersten religiösen Behörde des Judentums, die die Jünger mit einem Lehr- und Predigtverbot belegt hat. Es ist übrigens eine ähnliche Situation wie die Martin Luthers auf dem Reichstag in Worms, der dieser Tage vor 500 Jahren stattfand.

Für die Jünger bedeutet ihre Aussage: Wir gehören zu und vertrauen dem, der Gottes Liebe und Gnade in Person ist; Jesus Christus. Und wir können nicht anders, als davon zu reden, weil diese Worte Worte des Lebens sind, die allen Menschen gelten und alle sollen davon hören. Mit diesem Bekenntnis der Jünger ist auch gesagt, was „Gehorsam“ gegenüber Gott bedeutet: Aus Überzeugung zu dem zu gehören, der keinen Menschen verloren gibt. Dem zu vertrauen, der andere Maßstäbe an Menschen anlegte, als es der Norm seiner Zeit entsprach. Von dem getragen zu sein, der Menschen zu einem neuen Leben befreit, in dem sie sich angenommen und geliebt wissen. Und sich deshalb selbst befreit zu fühlen aus der Gefangenschaft von Eigenliebe und Engherzigkeit und sich leiten zu lassen hin zu Rücksichtnahme auf andere und Barmherzigkeit.

Aber bei dem Vertrauen und der Freiheit, zu der uns Gott in Jesus Christus befreit, geht es nicht um Narrenfreiheit oder gar Anarchie. Auch in dieser Freiheit trage ich Verantwortung. Denn auch als Christin bin ich Teil der Gesellschaft, lebe ich mit anderen Menschen in Gemeinschaft. Und die funktioniert nur, wenn wir auch aufeinander hören, uns zuhören, uns Gehör schenken und das Gehörte befolgen. Dass das nicht außer Kraft gesetzt wird, sagt uns das kleine Wort „mehr“.

Wir sind von Gott in diese Welt gestellt – und das ist gut und wichtig. Denn so können wir in dieser Welt davon reden, was uns trägt, stärkt und ermutigt: Gott hat Worte des Lebens für uns. Und dieses Leben reicht weiter, als unser Dasein in dieser Welt. Diese Worte dürfen wir immer wieder hören und darauf vertrauen. Und deshalb ist es gut, Gott mehr zu gehorchen als Menschen. Amen.

Ich wünsche uns allen eine gesegnete, erholsame fröhlichere und entspanntere Sommerzeit.

Pfarrerin Friederike Hecker

Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

als Kind hatte ich in der Osterzeit ein kleines Ritual und das kam so: Nach dem Gottesdienst und dem Festessen wurden für meine Geschwister und mich Geschenke im Garten versteckt. Mein Vater konnte das gut, außerdem hatte er viele Möglichkeiten, der Pfarrgarten war riesig. Am schwersten waren manchmal die Geschenke zu finden, die ganz offen zu sehen waren, aber sich so in ein Ensemble einfügten, dass wir an einem bunten Osterei inmitten von Blumentöpfen vorbeirannten oder die Schokolade im Astloch nicht sahen. Wichtig war, die Anzahl der Geschenke im Kopf zu behalten, damit nichts im Garten zurückblieb. Oft ging ich ein paar Tage später durch den Garten in der Hoffnung, dass er noch ein paar Schätze hergibt. Gewissenhaft durchsuchte ich die einschlägigen Orte. Aber es war jedes Mal vergebens, mein Vater arbeitete zuverlässig. In einem Jahr spielte ich nach Ostern wieder mal im Garten, es gab dort eine kleine Lichtung, die von Sträuchern und Bäumen umgeben war. Dort sah ich plötzlich etwas golden glitzern. Und wirklich: Da stand ein dicker, fetter Osterhase im Gehölz. Keine Ahnung, wie wir den übersehen konnten.

Zum letzten Osterfest wurden in unserer Gemeinde kleine Kerzen verteilt. Viele freuten sich über das Licht. Es steht als Zeichen für das, was Ostern bedeutet: das Licht besiegt die Dunkelheit, das Leben besiegt den Tod. Deshalb sind Kerzen aus unserem Osterfest nicht wegzudenken. Doch die eigentliche Überraschung kam erst. Wenn die Kerzen fast heruntergebrannt waren, erschien auf dem Boden der Spruch: Christus ist auferstanden.

Das Johannesevangelium erzählt von Maria Magdalena. Sie geht am Ostermorgen zum Grab von Jesus. Sie weint, denn sie weiß genau: Jesus ist tot. Doch als sie sich in die Grabhöhle beugt, sieht sie seinen Leichnam nicht. Stattdessen sitzen dort zwei Leute in weißen Gewändern, Engel, wie sich herausstellt. Sie fragen sie nur: „Warum weinst du?“ Sie dreht sich um und Jesus steht vor ihr. Doch weil sie es nicht fassen kann, entscheidet ihr Kopf, dass es der Gärtner sein muss. Sie fragt ihn: „Wo hast du Jesus hingelegt?“ Doch Jesus spricht sie an und sagt: „Maria!“ Da erkennt sie ihn. Sie läuft zu den Jüngern und sagt: „Ich habe den Herrn gesehen.“

Ostern heißt: Da kommt noch etwas. Mit dem Tod und der Auferstehung von Jesus beginnt die Geschichte. Doch Ostern ist nicht vorbei. Die Hoffnung, die seit diesem Tag in der Welt ist, ist nicht totzukriegen. Gerade in dieser Zeit wird das leicht übersehen oder zugedeckt. Wir fragen uns: Wann wird Licht am Ende des Tunnels? Wann hören Angst und Trauer auf? Wann geht das Leben wieder seinen gewohnten Gang? Diese Fragen sind völlig verständlich, sie beschäftigen uns. Doch gerade deshalb brauchen wir Ostern, das unverhofft im Gebüsch aufblitzt, das im Licht einer Kerze sichtbar wird, das uns durch die Ostergeschichten weitergegeben wird. Dieses Licht leuchte uns allen, gerade wenn wir unterwegs sind durch den Tunnel. Es gebe uns Kraft und Zuversicht.

Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

Pfarrer Benjamin Hecker

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
die „Gebietserweiterung“ durch das neue Kirchspiel bringt neue Bekanntschaften mit sich.

Ich möchte Ihnen gerne jemanden vorstellen, der sich mir vorstellte – mit einer Andacht. Sicher kommt das eher selten vor, dass sich jemand mit einer Andacht vorstellt. Gerade deshalb möchte ich Ihnen diese Andacht eines besonderen Menschen gerne weitergeben: Rosalie Renner aus Lauba ist eine junge Frau um die 20, die vor kurzem Abitur gemacht hat – und an Spinaler Muskelatrophie leidet. Frau Renner betreibt trotz der Einschränkungen durch ihre Krankheit eine Website (https://rosalie-renner.jimdofree.com/), und geht auf diese Weise offenherzig mit der globalen Welt in Kontakt. Sie sagt, sie freut sich dort über digitalen Besuch. Da Frau Renner im Gegensatz zu fast allen Menschen ihrer Umgebung nicht stehen kann und daher nicht in unseren Gottesdiensten vorne stehen wird, endet hier die Vorrede. Ich übergebe das geschriebene Wort an Frau Renner, denn durch geschriebene Wörter und ein passend ausgesuchtes Bild drückt sie sich aus. Rosalie Renner aus Lauba schreibt:

„Liebe Leser des Nachrichtenblattes, In den letzten Wochen und Monaten ist viel geschehen, was wir nie für möglich gehalten hätten. Jeden Tag gibt es neue Regeln und Nachrichten rund um Corona. Das verwirrt uns und macht uns Angst. Doch leider können wir diesem Thema nirgends entkommen, weil es im Moment unser ganzes Leben bestimmt und wir nicht viel dagegen tun können. Das macht uns noch mehr Angst. Ständig gibt es negative Schlagzeilen, Einschränkungen, Unverständnis, … Ein normales Leben ist längst noch nicht in Sicht. Was und wie sollen wir da noch glauben?

So ein Gefühl der Hilflosigkeit erlebten auch die Jünger Jesu, als sie mit ihrem Boot in einen Sturm gerieten: „Da kam ein schwerer Sturm auf, sodass die Wellen ins Boot schlugen. Das Boot füllte sich schon mit Wasser, Jesus aber lag hinten im Boot auf dem Sitzkissen und schlief. Die Jünger weckten ihn und riefen: ‚Lehrer, kümmert es dich nicht, dass wir untergehen?‘ Jesus stand auf, sprach ein Machtwort zu dem Sturm und befahl dem tobenden See: ‚Schweig! Sei still!‘ Da legte sich der Wind und es wurde ganz still. ‚Warum habt ihr solche Angst?‘, fragte Jesus. ‚Habt ihr denn immer noch kein Vertrauen?‘“ (Markus 4,37-40; Gute Nachricht Bibel).

Jesus ist während des Sturmes ganz entspannt und glaubt selbstverständlich daran, dass Gott sie alle beschützt. Vermutlich würde er uns diese fast schon vorwurfsvolle Frage ebenfalls stellen: „Habt ihr denn immer noch kein Vertrauen?“ Immer wenn irgendetwas schiefläuft oder nicht so ist, wie wir es gewohnt sind, bricht Panik aus, wir vergessen Gott und sehen nur noch das Negative. Aber diese Angst bringt uns nicht weiter, sondern lässt uns an Gott zweifeln. Stattdessen sollten wir uns bewusst für Ruhe, Geduld und Hoffnung entscheiden. Gerade solche stürmischen Zeiten sind Gelegenheiten, starkes Vertrauen zu Gott aufzubauen oder zu erhalten. Beten wir und legen unsere Sorgen in Seine Hände. Werden wir auf unsere Art aktiv und verbreiten positive Energie. Lassen wir los, was wir nicht kontrollieren können, denn wir können nie tiefer fallen als in Gottes Hand.“

Pfarrer Stephan Rehm

Gestern war Pflanztag. Knapp 40 Sträucher und Stauden. Eine lange Reihe an Töpfen war es, die da zu Beginn auf dem Boden stand.

Was passt wohin? Wie wird es aussehen, wenn die Sträucher größer werden und die Stauden blühen? Ich bin gespannt und freue mich darauf.

Im Moment aber ist nach einem Tag pflanzen wenig Veränderung zu sehen. Verteilt auf dem Gelände wirken die Stauden und selbst die etwas größeren Sträucher verschwindend klein und unscheinbar. Und ich frage mich: Werden sie überhaupt zu sehen sein im Frühjahr? Was, wenn nun das Unkraut schneller in die Höhe wächst? Wenn man die Pflanzen übersieht beim Mähen oder Umgraben…?

Also werden Holzpflöcke eingeschlagen – als Markierung, als Zeichen, dass hier etwas wächst, das besondere Aufmerksamkeit verdient, das noch Schutz braucht und Pflege. Zeichen für das Neue.

Wir gehen auf Weihnachten zu. Wie wird das sein, wie wird das aussehen dieses Jahr? So vieles ist ungewiss. Die Pandemie hält uns in Atem. Wir müssen planen und vorbereiten und wissen doch nicht, was überhaupt möglich sein wird. Konzerte, Adventsfeiern, Krippenspielproben und vor allem die Gottesdienste am Heiligen Abend … – klar ist nur, dass nichts davon so sein wird wie gewohnt.

Wie können wir Weihnachten feiern, wenn so vieles nicht geht? Wie können wir spüren, dass es Weihnachten ist, wenn wir nicht in großer Zahl in unseren Kirchen zusammenkommen und gemeinsam „Stille Nacht“ singen können? Wenn vielleicht auch der Familienbesuch ausfallen muss dieses Jahr? Wenn manches fehlen wird, was für uns einfach dazugehört zu einem richtigen Weihnachtsfest?

Wir brauchen Zeichen – Weihnachtszeichen. „Weihnachtszeichen“ – für gewöhnlich ist die Advents- und Weihnachtszeit voll davon. Kerzen und Sterne, Glühweinduft, Lebkuchen und Stollen, Weihnachtsbäume und Weihnachtslieder … Die Reihe ließe sich noch lange fortsetzen. Wir sind umgeben von solchen Weihnachtszeichen und das wird dieses Jahr ganz sicher nicht anders sein. Und trotzdem scheint das nicht zu reichen. Wir befürchten: wenn etwas davon fehlt, dann wird es kein „richtiges“ Weihnachten, dann merken wir gar nicht, dass Weihnachten ist.

Ich habe wieder meine Pflanzen vor Augen: Ein paar einfache Holzpflöcke mussten genügen als Zeichen. Sie machen den Garten nicht schöner, aber darum geht es ja auch gar nicht. Wichtig ist allein, worauf sie hinweisen: da wächst etwas Neues – auch wenn ich das aus der Entfernung heraus, unter Schnee oder vor lauter Unkraut nicht sehen kann.

Damals vor 2000 Jahren war es ähnlich. Ein Kind in einer Krippe. Das hat Gott als Zeichen genügt. Nichts Außergewöhnliches, Aufwendiges, Großes. Und doch Zeichen der Hoffnung, Zeichen seiner Nähe und seiner Liebe zu uns Menschen.

Das macht mir Mut: Vielleicht brauchen ja auch wir gar nichts Großartiges und nicht das volle Weihnachtsprogramm. Im Gegenteil. Vielleicht lenkt uns ja die Fülle nur ab vom Eigentlichen. Vielleicht genügen ein paar einfache Zeichen. Zeichen der Liebe, Zeichen der Hoffnung, dass Gott Licht bringt in unsere Dunkelheit und uns nahe ist.

Ich wünsche uns, dass es uns gelingen möge, Zeichen zu setzen, die davon künden, und dass jeder von uns solche Zeichen auch für sich entdecken kann in diesen Tagen. Wer weiß: vielleicht wird uns ja die größere Ruhe, die das Fest dieses Jahr begleiten wird, bei der Suche nach den richtigen Weihnachtszeichen guttun. Halten Sie die Augen offen!

Ihre Pfarrerin Constance Šimonovská