Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

als Kind hatte ich in der Osterzeit ein kleines Ritual und das kam so: Nach dem Gottesdienst und dem Festessen wurden für meine Geschwister und mich Geschenke im Garten versteckt. Mein Vater konnte das gut, außerdem hatte er viele Möglichkeiten, der Pfarrgarten war riesig. Am schwersten waren manchmal die Geschenke zu finden, die ganz offen zu sehen waren, aber sich so in ein Ensemble einfügten, dass wir an einem bunten Osterei inmitten von Blumentöpfen vorbeirannten oder die Schokolade im Astloch nicht sahen. Wichtig war, die Anzahl der Geschenke im Kopf zu behalten, damit nichts im Garten zurückblieb. Oft ging ich ein paar Tage später durch den Garten in der Hoffnung, dass er noch ein paar Schätze hergibt. Gewissenhaft durchsuchte ich die einschlägigen Orte. Aber es war jedes Mal vergebens, mein Vater arbeitete zuverlässig. In einem Jahr spielte ich nach Ostern wieder mal im Garten, es gab dort eine kleine Lichtung, die von Sträuchern und Bäumen umgeben war. Dort sah ich plötzlich etwas golden glitzern. Und wirklich: Da stand ein dicker, fetter Osterhase im Gehölz. Keine Ahnung, wie wir den übersehen konnten.

Zum letzten Osterfest wurden in unserer Gemeinde kleine Kerzen verteilt. Viele freuten sich über das Licht. Es steht als Zeichen für das, was Ostern bedeutet: das Licht besiegt die Dunkelheit, das Leben besiegt den Tod. Deshalb sind Kerzen aus unserem Osterfest nicht wegzudenken. Doch die eigentliche Überraschung kam erst. Wenn die Kerzen fast heruntergebrannt waren, erschien auf dem Boden der Spruch: Christus ist auferstanden.

Das Johannesevangelium erzählt von Maria Magdalena. Sie geht am Ostermorgen zum Grab von Jesus. Sie weint, denn sie weiß genau: Jesus ist tot. Doch als sie sich in die Grabhöhle beugt, sieht sie seinen Leichnam nicht. Stattdessen sitzen dort zwei Leute in weißen Gewändern, Engel, wie sich herausstellt. Sie fragen sie nur: „Warum weinst du?“ Sie dreht sich um und Jesus steht vor ihr. Doch weil sie es nicht fassen kann, entscheidet ihr Kopf, dass es der Gärtner sein muss. Sie fragt ihn: „Wo hast du Jesus hingelegt?“ Doch Jesus spricht sie an und sagt: „Maria!“ Da erkennt sie ihn. Sie läuft zu den Jüngern und sagt: „Ich habe den Herrn gesehen.“

Ostern heißt: Da kommt noch etwas. Mit dem Tod und der Auferstehung von Jesus beginnt die Geschichte. Doch Ostern ist nicht vorbei. Die Hoffnung, die seit diesem Tag in der Welt ist, ist nicht totzukriegen. Gerade in dieser Zeit wird das leicht übersehen oder zugedeckt. Wir fragen uns: Wann wird Licht am Ende des Tunnels? Wann hören Angst und Trauer auf? Wann geht das Leben wieder seinen gewohnten Gang? Diese Fragen sind völlig verständlich, sie beschäftigen uns. Doch gerade deshalb brauchen wir Ostern, das unverhofft im Gebüsch aufblitzt, das im Licht einer Kerze sichtbar wird, das uns durch die Ostergeschichten weitergegeben wird. Dieses Licht leuchte uns allen, gerade wenn wir unterwegs sind durch den Tunnel. Es gebe uns Kraft und Zuversicht.

Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

Pfarrer Benjamin Hecker