Ausblicke

„Ich stand am Straßenrand und aß einen Apfel“, berichtet ein Augenzeuge.

„Aus Richtung Löbau kam ein eigenartiger Menschenzug. Als sie nahe bei mir waren, schmiss ich den Griebsch in den Straßengraben und sah, wie einer der Männer sich bückte. Sogleich schlug ein anderer mit einem Gummiknüppel auf ihn ein.“ Diese Erinnerungen aus dem Februar/März oder April 1945 hat der Lawalder Bürger bis heute nicht vergessen. Seither sind 76 Jahre vergangen. Damals war er ein Kind und lange noch kämpfte er mit Gewissensbissen, dass der Mann seinetwegen verprügelt worden war. Was war geschehen? Der Junge war Augenzeuge eines sogenannten „Todesmarsches“ geworden. Als die Front 1945 näher rückte, versuchten die Nazis Spuren zu verwischen, indem sie Konzentrationslager und ihre Außenstellen räumten. Die Häftlinge wurden auf die Straße getrieben und oft ziellos durchs Land gejagt. Viele kamen dabei ums Leben. So ist es auch in Lawalde geschehen. Auf dem Friedhof liegen zwei Häftlinge begraben. Man weiß, dass die Häftlinge in der Feldscheune des ehemaligen Rittergutes übernachteten. Die Scheune stand ungefähr dort, wo sich später das Tierheim befand. Die beiden Toten sind am Wegesrand hinter dem Rittergut beigesetzt worden. Jemand erinnert sich, dass das Grab mit einem Holzkreuz gekennzeichnet war und dass Lehrer mit Schülern in den nachfolgenden Jahren zum Gedenken am 8. Mai dorthin gingen. Wahrscheinlich Anfang der 50er Jahre erfolgte die Umbettung auf den Friedhof. Es ist eigenartig, dass wir im Kirchenarchiv keinerlei Informationen dazu haben, wir wissen auch nicht, wann und wer den Gedenkstein „Opfer des Faschismus“ gesetzt hat. Er trägt ein rotes Dreieck, was auf „politische Häftlinge“ hinweist. Der Zug durch Lawalde war leider kein Einzelfall. Jedoch liegt Vieles im Dunkeln. Nur eine grobe Route ist bisher bekannt: Sie führte von Hartmannsdorf (heute Miłoszów in Polen), wo sich ein Außenlager des KZ Groß Rosen /Schlesien befand, bis hin in das KZ Buchenwald. Von den ca. 700 Männern sind 399 dort am 12. März 1945 angekommen. Allein auf dem Weg von Zittau nach Buchenwald sind nach Aussage eines Wachmannes 99 Häftlinge erschossen worden. Die Marschroute führte über Spitzkunnersdorf – Seifhennersdorf – Löbau nach Bautzen. So zeigt es z. B. die Karte im Werk „NSTerror und Verfolgung in Sachsen“, das bei der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung kostenlos bestellt werden kann. Unsere Lawalder Augenzeugen berichten aber übereinstimmend, dass die Häftlinge aus Richtung Löbau kamen. Wohin gingen sie? Machten sie hier in Lawalde nur einen Übernachtungsstopp, um am nächsten Tag wieder nach Löbau zurückzuziehen und von dort nach Bautzen? Oder ist es ein bisher noch unbekannter Marsch gewesen? Gingen sie weiter nach Schönbach oder nach Lauba und Beiersdorf? Daher suchen wir weitere Informationen und Augenzeugen:

Kann sich noch jemand erinnern, einen solchen Zug gesehen zu haben? Haben Eltern oder Großeltern einmal davon erzählt? Gibt es in einem Archiv eine Notiz davon? Es würde mich sehr freuen, weitere Puzzleteilchen zu finden. Irgendwo auf dieser Welt gibt es Menschen, die bis heute nicht wissen, wo ihre Brüder, Männer, Onkel geblieben sind … In Wikipedia ist unter „Lawalde“ zu lesen: Gedenkstätten Gedenkstein auf dem Ortsfriedhof für zwei unbekannte KZ-Häftlinge, die bei einem Todesmarsch im Februar 1945 von SS-Männern ermordet wurden. http://de.wikipedia.org/wiki/Lawalde
Woher stammt diese Information? Wir haben schon geforscht, wer diesen Satz bei Wikipedia eingegeben hat, vergeblich. Keiner weiß, wem dazu Informationen vorliegen könnten. Falls Ihnen irgendetwas in dieser Sache bekannt ist, melden Sie sich doch bitte bei Pfarrerin Karin Baudach, Email: karin.baudach@evlks.de oder per Telefon 03585-404183 oder per Post.

Pfarrerin Karin Baudach
Schönbacher Str. 5, 02708 Lawalde